Dienstag, 7. November 2017
Vermischtes

Ich war erschöpft. Mein Herz eine gedemütigte Trommel, die so langsam schlug, als schleppe sie sich durch den Sumpf modernder Enttäuschungen. Ihr Klang so schwach, dass ich ihn kaum noch spüren konnte. Wo war der Puls meines Lebens. Wo der wilde Rhythmus, der mir in die Glieder fuhr, mich voran trieb, zielstrebig und ungestüm, den Kopf in den Wolken, die Brust berstend vor Sehnsucht und Tatendrang und die nackten Füße im wirbelnden Staub der Straße, die sich heiß und verlockend in der Sonne vor mir wand wie eine Schlange, ihren hypnotischen Blick in den meinen versenkt, mich in Begehren fesselnd und mit ihrem Gift mein Blut aufpeitschend, dass es in fiebernder Leidenschaft der Zukunft entgegendrängte.

Ich war frustriert. Unzufrieden mit mir, meiner Situation, mit allem. Nichts war mehr echt und wahr, nichts lebendig und kühn. Kaum, dass ich etwas erschuf, erstarb es schon wieder in Mattigkeit. Ich war eine Kerze, die bis zum Hals im Wasser stand. Nur der Docht durchbrach die träge Oberfläche und reckte sich starr dem Himmel zu. Doch wollte man ihn entzünden, verglomm er verdurstend und brach entzwei. Meine Lust war ertrunkenes Wachs und mein Geist eine dünne Fahne rußigen Rauchs, der sich nur kurz im Abglanz der blauschwebenden Weiten unter ihm spiegeln konnte, bevor er verschwand.

 

Märzwurz

 

Eine Einladung kam aus der gefrorenen Distanz einer abgewiesenen Vergangenheit. Eine Abendgala mit Konzert, Lesung und Ausstellung frischer Werke, danach ein festlicher Ball. Man hatte auch die Ehemaligen angeschrieben, vor allem diejenigen, die die Benefizveranstaltungen zur Förderung junger Künstler ins Leben gerufen hatten. Die Organisation stülpte wie eine Amöbe ihre Finger aus und zog an den Fäden ihrer alten Marionetten, die, eingemottet in der Kartei, geglaubt hatten, sie wären frei. Um sie erneut zu umfließen in ihrer unzufriedenen Gier, um sie letztendlich doch für immer vereinnahmen zu können.

Abscheu stieg in mir auf von einem Ort tief drin, an dem ich sie damals vergraben hatte. Ungerufen brach sie hervor mit dem Geschmack der Verwesung auf der Zunge. Ich hatte mir geschworen, nie wieder mit diesem Omnivor in Berührung zu kommen, und es verstörte mich, dass ich mich dennoch auf eine seltsame, ja eklige Weise zu ihm hingezogen fühlte. Als wäre ich tatsächlich noch immer an seine ungeschriebenen Gesetze der Unterwerfung gebunden, die wiedererwacht ihre viralen Verlockungen in mein Ohr flüsterten.

Ich verteidige mich nicht. Ich hatte keine klare Vorstellung davon, was ich wirklich wollte. Vielleicht war es ein Impuls unbewusster Loyalität oder die Konsequenz eines dieser ironischen Zwänge, die in den Gegebenheiten der menschlichen Existenz lauern. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht sagen. Aber ich ging hin.

Trotz Festschmuck wirkte die Stadthalle grau und kalt. Ihre klaffenden Türen nahmen die herausgeputzten Bildungsbeflissenen auf in den Schoß kollektiven Abschunkelns. Man nickte sich zu, tauschte bedeutungsvoll leere Worte. Auch ich trat ein in die Lorbeerhallen der Kunst, die mir einmal so heilig waren. Geliebte Stätte erhabenen Rauschs und göttlichen Gesangs. Die Wiege und der schützende Dom meines Schaffens, der mich plötzlich, als ich mich ihren Normen entwand und meine Träume in ungezügelte Kunst zu gießen begann, ausspie wie Unrat. Denn wer nicht demütig den Gottesdienst an der Regel vollzog, der war ein Geächteter, den mit zynischer Kritik zu schmähen heilige Pflicht der Anbetenden war.

Nun, nach all den Jahren, in denen ich meine eigenen Wege gegangen war, traf mich das Zeremoniell tiefer, als ich es erwartet hatte. Die Knochentrompeten und Beinflöten aus den Schenkeln und Armen verbrauchter und verdauter Schützlinge erhoben ihren schaurigen Klang und riefen die Götzen der Vorschriftsmäßigkeit. Willig boten sich ihnen die Menschen zur Speise dar, den hungrigen Dämonen des Diktats, um sie mit ihren gehorsamen Seelen zu füttern. Und während sich ihre Götter an ihnen labten und ihr Leben austranken, verfielen sie in hymnische Raserei, wogten im lächelnden Maskentanz der Falschheit, während sich ihre Trance unmerklich in Ohnmacht wandelte und sie schließlich blutleer zu Stein erstarrten.

Schaudern erfüllte mich, als man mich nach vorne rief. Auf dem Altar ihrer verkrusteten Bedeutungen führten sie mich vor und besangen meinen Heldenmut, als ich damals für sie den Geist der Kreativität herbei rief und ihn im Namen des gesellschaftlichen Rituals betrog, indem ich ihn fesselte und seine Stimme zu ihrem Sprachrohr versklavte. Fühlte ich mich eben noch fremd und distanziert, blieb ich nun sprachlos vor Scham und innerem Entsetzen. Aus meiner Vergangenheit, meinem erinnerten Tun, erwuchs mir meine eigene Fratze, erwachte mein Dämon, den ich selbst einst genährt hatte. Aus dem Vergessen, das ich närrisch für seinen Tod gehalten hatte, hob er sein Haupt über den Horizont meines Unbewussten, ein gehörnter Harlekin, der mich spöttisch verlachte. Er spannte den Bogen seines Liedes über meinen Himmel aus, mit dem er mein Damals mit Heute verband. Er ergötzte sich an meinem Schmerz und tauchte voll Häme seine Krallen in mein Fleisch, um sich mit meinem gegenwärtigen Können die bleichen Lippen rot zu schminken. Als man mich aus der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit entließ, ergriff ich die Flucht.

 

Märzwurz

 

Wachsam lauerte der Dämon und ließ mich nicht aus seinem Blick. Alter Schmerz aus Erinnerungen brandete auf und vergrub mich unter einer Woge der Erkenntnis. Die Wunden von damals waren tiefer, als ich geglaubt hatte. Doch nicht sie waren es, die mir meine letzte Kraft raubten, sondern der unfassbare Verlust, den ich jetzt begriff. Am Boden liegend schaute ich dem Wesen in die Augen, das ein verlorener Teil von mir war. Wir kämpften nicht. Wir rangen darum, uns stumm zu verstehen.

In seiner Seele brannte Wut, mir selbst nur allzu bekannt. Sie war das Band, das meine und seine Vergangenheit umschlang und sie zu einem Erlebnis zusammenfügte: Ich war wieder jung und hob den Blick zu meinem Idol. Ein starker, schöner Gott. Voll Glauben an den Wert bürgerlicher Tugenden, breitete er sein schützendes Lächeln über mich und hob mich sanft in jenes Glück der eben aufkeimenden Lust eigener Schöpfungskraft. Doch sein Versprechen auf Anerkennung in den freundschaftlichen Kreisen derer, die neue Talente auf dem Acker ihrer Kunstbewunderung zu hegen behaupteten, war trügerisch.

Denn das Geld und die Wertschätzung der Wohltätigen waren kein echtes Geschenk, sondern ein Gängelband, den unfertigen Künstlern um den Hals gelegt, um ihr erwachendes Schaffen in gesellschaftliche Normen zu zwingen. Als ich mein eigenes rohes Wollen in den Bildern geträumter Freiheit entfaltete und meine Leidenschaft jede Konvention durchbrach, war ich eine Ausgestoßene. Meine Freunde wandten sich gegen mich und das Mündungsfeuer ihrer Kritik ließ ihre hasserfüllten Mienen flackern. Mitten unter ihnen mein Gott, mein Schutzgeist, heiße Flammen speiend: „Du wendest dich gegen dein eigenes Geheiß!“ Seine dunkel glühende Gestalt verzerrte sich zum Dämon der Gegenwart.

Jetzt sah ich das Gold seiner Werte – meiner Werte – in seinem Wesen glänzen. Es war vermischt mit den Metallen der anderen, eine Legierung, die meine Wahrheit mit ihren Lügen verschmolz. Es blieb mir nur eins: ihn in das Labyrinth des Unbewussten zu führen, wo er die verwirrenden Pfade zu seiner eigenen Echtheit gehen musste. Wo die Einhörner der Entschiedenheit das silberne Mondlicht verflüssigen, um das Gold der Suchenden darin zu lösen.

Es fällt mir nicht leicht zu beschreiben, was ich tue, um in das Reich zu gelangen, wo sich die Träume mit der Realität und Absicht mit Geschehen zu einer Einheit verweben. Ich nahm den Dämon in mich auf, wurde zu ihm und blieb ich selbst. Hoch oben aus dem Bewusstseinshorst erklang mein heiserer Ruf, ein Pferd der Sehnsucht. Das Sternenlicht kristallisierte zu Reif, als meine Hand sich in seine Mähne grub und es mich in die Tiefe trug.

Ich fand das Buch, in dem mein Wesen geschrieben steht und immer aufs Neue geschrieben wird. Die Seiten fächerten sich auf zu den Lamellen eines Pilzhauptes. Aus ihren Zwischenräumen tropfte der Mondlichttau der Verwirrung. Er perlte auf meine Lippen, süß und klebrig, gleichzeitig kühl. Ich trank ihn und er machte mich trunken. Der Rausch wirbelte mein Innerstes auf. Ich taumelte im Chaos meiner Gedanken, fiel oder flog, ich weiß es nicht. Dann wurde es stiller, die kreiselnden Bilder machten Halt, gewannen Raum. Ich war in einem Hügelgrab. Und mit mir ein anderes Wesen.

 

Märzwurz

 

Es warf mich nieder mit schweren Tatzen – ich blickte in das Gesicht eines Löwen. Er grollte drohend, dann ließ er mich frei. Aus seinem Nacken entsprang das Haupt einer Ziege und sein peitschender Schwanz war eine Schlange. Die Chimäre schwieg und wartete. Neben mir kauerte der Dämon. Er keuchte, seine ungläubig aufgerissenen Augen auf mich gerichtet, um Hilfe flehend. An der linken Schulter zwei kleine Wunden. Das Schlangengift verdarb sein Blut.

Er krümmte sich und Schmerz zerriss mein Herz. Ich bettete ihn in meinen Schoß und sang das Seelenlied. Aus seinen Poren sickerte blaugraues Licht, das sich zu Geistern formte. Die Untoten verließen ihn, gehüllt in die Schleier des Betrugs, die schillerten wie Schlieren auf schwarzem Öl. Aus dem Riss ihrer geschwollenen Lippen quollen Schreie hervor, schrille Zwischentöne aus Enttäuschung und Wut, Lebensatem ihrer gierigen Lust. Sie sammelten sich zu einem dröhnenden Akkord, ließen ein letztes Mal das strahlende Trugbild ihrer Ideale erklingen und verloschen dann in der jähen Erkenntnis ihres irrlichtigen Seins, das seine Existenzberechtigung in mir für immer verwirkt hatte.

Aus meinem Schoß erhob sich der Dämon, befreit von der Last fremder Glut, und erstaunt sah ich, dass er eine Frau war. Langsam ging sie zur Chimäre, die sie ruhig erwartete, und küsste den Löwen, die Ziege und die Schlange. Wie sehr sie sich zurückgesehnt hatte in die Umarmung ihrer tierischen Natur! Doch solange die Peitschenstriemen ungewollten Strebens ihr Dasein zerteilt hatten, blieb ihr keine Wahl. Erst jetzt, nach Äonen fiebriger Wut auf der einen und dumpfen, begrabenen Grolls auf der anderen Seite, schloss sich die Kluft, die nie hätte aufbrechen dürfen, und aus zwei Wesen wurde endlich wieder eins.

Die Frau wandte sich um und streckte mir ihre Hand entgegen. Am Gelenk waren noch die roten Einschnitte der Marionettenschnüre zu erkennen, mit denen sie gefesselt war. Sie blickte mich mit schwarzen Augen an, offene Pforten in die Tiefen eines Seelenwissens, das für so lange Zeit versiegelt gewesen war. Tränen dunkler Wahrheiten brachen aus ihnen hervor und sie fragte mich: „Wirst du mich lieben können?“

Seitdem sind einige Wochen vergangen. Ich fühle mich verletzlich. Als ob allmählich eine kalte, graue Schicht aus Gestein von mir abplatzt, unter der lebendige, zarte Haut zum Vorschein kommt. Die Trommel schlägt immer noch langsam, doch schreitet sie bestimmter voran. Und tief in mir erhebt meine tierische Muse ihre Häupter, stark und stolz, hypnotisch und leidenschaftlich, eigenwillig und frei.

mirzwurz hambeldrum affengleich im hintertal. dassendoll wouptieron in formularie dung. sinnenfullfill harten kormastohn, was lorbeerhallen warmirten. denn fremdten loobaliletum in ichtie labsen harmekung. drum warti numi lantiheiß in quickesilber waorrespiel. das hortzebokpluutz im fungerhaupt, denwurbeltrunk am hurkendoll. So kummerlich der rufenschall im hussentrug des intertons. das kohtan wullst auf hohem trug. niekonnte walen erebrech. das dunkelfinistere sigelbuch hat dunkelrecht im wagebrecht. tonk

© Tsaphyre 2014   http://tsaphyre.de

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Ein Kindle zu Weihnachten – eine Weihnachtsgeschichte

Letztes Jahr, auf die Raunächte, hat sich hier heroben in Moos eine sonderbare Geschichte zugetragen und die möcht ich euch gern erzählen. Die Happacher Elsbeth war gerade in die Ammergassen umgezogen und der Ludwig hat ihr beim Umzug geholfen. Der Ludwig hat ja schon in der Schule ein Aug auf die Elsbeth geworfen, aber die hat keine Mannsbilder im Kopf gehabt. Nur Bücher. Und deshalb hat sich der Ludwig an dem besagten warmen Augusttag so abgeschleppt, wegen der vielen schweren Kisten voll mit ihren Büchern. Für die Elsbeth hätt er die Kisten auch glatt über die Drei Zinnen geschleppt, aber es ging ja, Gott sei Dank, nur in die Ammergassen. Und wie der Ludwig so von Schweiß überströmt die letzte Bücherkiste die Stiegen im neuen Heim von der Elsbeth hochgewuchtet hatte, da hat er, ganz außer Atem, zu der Elsbeth gesagt: „Heutzutag gibt’s Computer und Internet, da muss man nur noch eine Kiste schleppen, weil die ganzen Bücher im Internet sind.“ Die Elsbeth hat gelacht und sich artig fürs Schleppen bedankt, aber ein Computer würde ihr nie ins Haus kommen und mit Internet hat sie sich sowieso nicht ausgekannt. Aber der Ludwig war von seiner eigenen Idee begeistert und als eine Annonce einen Computer drunten in Innichen als vakant verkündet hat, da hat er sich kurz entschlossen in den Bus gesetzt und das Kistl, nebst Flat Screen, Tastatur und Maus für die Elsbeth um ein paar Markerl erstanden.

Ich muss ja wohl niemand erklären, was Brauchtum und Tradition für uns bedeuten. Wer hier oben überleben will, der lässt tunlichst die Finger von neumodischem Teufelswerk, das weiß ein jeder. Vor drei Jahren hat der Niederegger in seinem Baumarkt Flammenwerfer zum Schneeräumen angepriesen. „Mühevolles Schneeräumen war gestern“ hat auf dem Plakat gestanden und weil es im Sonderangebot war, hat der Herbert vom Standlhof auch gleich zugegriffen und noch zwei Propangasflaschen obendrein erworben. Und was war das End vom Lied? Der Herbert hat im Jänner, als die große Schneekälte gekommen ist, oben den Schnee weggebrannt und das Schmelzwasser ist unten beim Pizza-Erich in die Garage geströmt, weil bei der Kälte die Abflüsse alle gefroren waren. Und dann steckten die zwei Lieferautos vom Erich in anderthalb Meter hohen Eiswürfel. Das kommt halt dabei raus, wenn man was Neues probiert. Der Ludwig hat das alles natürlich gewusst und als er im Bus zurück nach Moos saß, neben sich der Computer für Elsbeth, da hat er Angst vor seiner eigenen Courage gekriegt. Weil es schon immer Brauch war, dass Geschichten in Büchern stehen. Und eben nicht auf Computern im Internet.

Mit bangem Herz ist er dann gleich zur Elsbeth und die hat nicht schlecht gestaunt, als der Ludwig mit einem Computer vor ihrer Tür stand! Aber weil er ihr so viel geholfen hatte und weil er so lieb war, hat sich die Elsbeth nicht getraut, ihn abzuweisen. Und der Ludwig hat dann auch gleich alles aufgebaut und gemurmelt und geflucht, während die Elsbeth in der Küche einen Topfenstrudel gebacken hat. Ein bisserl mulmig war ihr bei dem Gedanken an einen Computer in ihrer Wohnung schon, aber sie hat halt gedacht, was soll schon passieren? Bücher im Internet? Das konnte sie sich nicht, das wollte sie sich nicht vorstellen. Und dann hat sie den ofenwarmen Strudel auf den Tisch gestellt und Kaffee gekocht und da kam der Ludwig in die Stube und hat freudestrahlend verkündet: „Fertig! Und weißt was? Internet hast du jetzt auch! Weil ich dich nämlich mit meinem Wlan verbunden hab!“ Von all dem hatte die Elsbeth natürlich keine Ahnung, aber es war schön, dass der Ludwig sich so gefreut hat und es war schön mit anzusehen, wie er sich den Strudel hat schmecken lassen.

Es sollte geschlagene drei Wochen dauern, bis ein hartnäckiger und unnachgiebiger Ludwig eine ungläubige und abwehrende Elsbeth im Internet hatte. Er hätte es aber nie und nimmer geschafft, wenn es nicht Amazon im Internet gegeben hätte. Amazon war eine Offenbarung für Elsbeth. Es gab tatsächlich Bücher im Internet! Und mit der Hilfe von Ludwig legte sie sich ein Konto an und begann auch gleich Bücher aus dem Internet zu bestellen. Ludwig war indes mit dieser Entwicklung nicht wirklich zufrieden, denn er wollte ja eigentlich die Vorteile digitaler Bücher angepriesen wissen und Elsbeth kaufte, nach wie vor, Bücher aus Papier! Sein Versuch auf die Vorteile des bei Amazon angepriesenen Kindle-Gerätes zum Lesen digitaler Bücher stieß bei Elsbeth auf taube Ohren und so ließ Ludwig die Sache auf sich beruhen. Immerhin, es hätte schlimmer kommen können. Aber seine Idee mit dem Computer hatte ihm immerhin wertvolle und vergnügliche Zeit mit seiner Angebeteten verschafft, nun musste er sich genügsam zurückziehen, denn Elsbeth hatte nur mehr Zeit für ihre neu entdeckte Leidenschaft, nämlich Bücher aus dem Internet zu bestellen.

Kindle Weihnachtsgeschichte

Selbstverständlich beschränkte Elsbeth ihre Zeit im Internet nicht nur auf Amazon. Da gab es ja auch noch Google. „Suchmaschine“ hatte Ludwig das genannt und er hatte schmunzelnd erklärt, das sei so wie Aladins Wunderlampe. Nur, statt dran zu reiben, müsse man drauf klicken und dann seinen Wunsch eintippen. Elsbeth fand das faszinierend und es war gegen Ende Oktober, dass sie dort, bei Google, „Lottogewinn“ eintippte. Eben, weil sie einen Lottogewinn gut hätte gebrauchen können, denn die vielen Bücher kosteten eine Stange Geld und sie hatte sehr viele Bücher auf ihrer Wunschliste, die sie sich nicht leisten konnte. Elsbeth tippte also „Lottogewinn“ ein und folgte gespannt der Antwort von Aladins Wunderlampe. So fand sie eine Seite, die Preisrätsel verlinkte und so fand sie ein Preisrätsel, bei dem man ein Kindle gewinnen konnte. „So ein Kindle“, so dachte Elsbeth, „macht die Bücher billiger“. Zumindest hatte Ludwig das immer wieder gepredigt. Kaufen wollte sie es nicht, da war ihr das Risiko zu groß sich für so viel Geld Teufelswerk ins Haus zu holen. Aber gewinnen, das würde ihr schon gefallen. Neugierig klickte sie auf den Link mit den Teilnahme-Bedingungen. Und staunte nicht schlecht.

Natürlich hatte sie mit Preisfragen gerechnet. Man muss schließlich immer irgendwelche Fragen beantworten, um bei einem Preisrätsel mitzumachen. Oder? Aber was die Elsbeth da an Fragen gefunden hatte, ging ihr dann doch zu weit. Ob sie einer geregelten Tätigkeit nachginge und ob sie vorbestraft wäre. Und fast überall war ein rotes Sternchen, was hieß, dass das „Ausfüllen der gekennzeichneten Felder Pflicht sei“. Der Ludwig hatte sie strengstens ermahnt, nichts von ihren privaten Angelegenheiten im Internet zu erzählen. Wegen dem Datendiebstahl. Ein bisserl enttäuscht hat die Elsbeth da geseufzt und immer weitergeklickt, aber am Ende der seitenlangen Formulare stand, dass man sich die Preisfragen auch zuschicken lassen könnte. Die Miene von der Elsbeth hellte sich sofort auf, weil, dann war das ja kein Internet, also auch kein Datendiebstahl mehr! Sofort hat die Elsbeth die Unterlagen angefordert und die waren auch vier Tage später da. Die Fragen waren eigentlich leicht zu beantworten und sie hatte sogar die nötigen Kopien von ihrem Zeugnis von der Schule. Alles war ja fein säuberlich kopiert und abgeheftet in ihrem Ordner zu finden. Dann sollte sie noch einen Aufsatz darüber schreiben, warum sie so ein Gerät haben wollte. Das war auch nicht schwer, weil die Elsbeth gern geschrieben hat. Also hat sie sich hingehockt und mit ihrer ordentlichsten Handschrift alles reingeschrieben: Dass es ursprünglich die Idee von ihrem Freund, dem Ludwig, war und dass so ein Kindle nur Vorteile mit sich brächte und es überhaupt und sowieso nix Schöneres gäbe, als Bücher zu lesen, weil man sich ja auch weiterbilden muss und so. Als sie fertig war, hat sie den Aufsatz zusammen mit den Kopien und den ausgefüllten Formularen gleich zur Post gebracht, einen großen Umschlag gekauft, alles hineingesteckt und sorgfältig zugeklebt, am Schalter frankieren lassen und abgeschickt. Gutgelaunt ging die Elsbeth wieder heim, weil sie sich sicher war, dass sie gewinnen würde. Sie hatte ein wirklich rundum gutes Gefühl bei der Sache.

Dem Ludwig hat sie aber nichts erzählt, weil sie ihn überraschen wollte. Überrascht war die Elsbeth aber erstmal selbst, nicht weil es an diesem 12. November den ersten Schnee gab, das war eher zu erwarten gewesen, sondern weil im Briefkasten eine Nachricht von der Preisrätsel-Firma war! Da hat ihr Herz gleich einen Sprung getan, sie hat sich den Brief ganz fest an den Busen gedrückt und ist gleich die Stiegen rauf zu ihrer Kammer, wo sie mit vor Aufregung zitternden Fingern den Umschlag aufriss. Und tatsächlich, da stand es, gleich am Anfang des Schreibens: „… freuen wir uns Ihnen mitteilen zu dürfen, dass sie in die engere Auswahl gekommen sind!“. Aber da stand noch mehr, nämlich, dass die Preisrätsel-Firma jemanden aus Bozen hochschicken wollte, um sie besser kennenzulernen. Elsbeth setze sich auf den Küchenstuhl und las den ganzen Brief noch einmal in aller Ruhe durch. Wieso wollen die sie kennenlernen? Die Frage ging ihr immer wieder durch den Kopf, aber sie konnte sich einfach keinen Reim darauf machen. Als drei Tage später das Telefon klingelte und eine sympathische Dame sie fragte, ob sie am Samstagnachmittag für einen Besuch Zeit hätte, da konnte sie einfach nicht nein sagen. das wäre ihr unhöflich vorgekommen. Also hat sie ja gesagt und so getan, als ob sie sich freuen würde. Insgeheim war ihr das aber nicht recht gewesen und sie kam sich schon ein wenig überfahren vor.

Samstagmittag wäre die Elsbeth fast zum Ludwig rüber gelaufen und hätte ihm alles gestanden. Aber das hat sie sich dann auch nicht getraut. Und als um kurz nach vier die Türschelle ging, da hat sich ihr Magen zusammen gekrampft. Trotzdem ist die Elsbeth tapfer runter und hat die Tür aufgemacht. Der Mann und die Frau, die draußen standen, strahlten sie einnehmend an. Und Elsbeth fasste sofort Vertrauen zu ihnen. Hereingebeten, betrat das nette Paar die Wohnung und schaute sich anerkennend um. Überhaupt waren die Beiden voller Lob für Elsbeth und haben immer wieder versichert, dass alles in Ordnung sei. Sie hätten nur wirklich sicher gehen müssen, damit kein Fehler gemacht würde. Elsbeth entspannte sich. Sie hatte den Kindle so gut wie in der Tasche. Und so war es auch. Zum Nikolaustag kam der Brief, in dem es stand: Sie hatte gewonnen! Und das nette Paar würde ihr den Kindle zu Weihnachten sogar persönlich vorbeibringen. Elsbeth konnte ihr Glück nicht fassen. Das würde ein ganz besonderes Weihnachtsfest werden! Sie würde eine Gans in den Ofen schieben und den Ludwig zum Essen einladen! Und zur Bescherung würde es an der Tür klingeln und …

Kindle Weihnachtsgeschichte

Das Forstamt will natürlich verhindern, dass die Leute zum Heiligabend in den Wald gehen und sich selbst eine Tanne schlagen. Da legen die Forstner lieber selbst Hand an und versorgen die Dorfbewohner mit kostenlosen Weihnachtsbäumen. Also ist die Elsbeth eine Woche vorm Christfest mit dem Bus nach Sexten runter und dort aufs Forstamt. Im Hof stand noch eine richtig schöne Auswahl an Christbäumen und die Elsbeth hat sich einen mit einer Schokoladenseite rausgesucht. Und der Toni, der ihr beim Aussuchen geholfen hat, war ja selbst aus Moos und hat ihr das Bäumchen am Abend an die Tür gebracht. Reingebeten hat sie ihn aber nicht, weil der Toni sie immer so anzüglich angeschaut hat und deshalb hat sie ihm gesagt, der Ludwig würde ihr den Baum aufstellen. Was ja nicht gestimmt hat, weil den Ludwig, den wollte sie ja überraschen. Und so ist der Toni enttäuscht heim und die Elsbeth hat ihren Tannenbaum selbst über die Treppe auf ihre Kammer geschleift. Und ist dann völlig erschöpft ins Bett gefallen und sofort eingeschlafen. In der Nacht hat sie von ihrer Oma geträumt.

Der Vater von Elsbeth war ja Bergführer gewesen und einmal war er am Berg geblieben. Die Mutter hatte sich so gegrämt, dass sie sich daraufhin ein Leid angetan hat. Und die kleine Elsbeth ist hernach bei ihrer Oma aufgewachsen. Und von der Oma hat die Elsbeth gelernt, wie man Vanillekipferl und Zimtsterne backt und das Rezept für die Weihnachtsgans, das war auch von der Oma. Und natürlich auch der Christbaumschmuck, der war auch von der Großmutter und jetzt, wo die Elsbeth den Baum geschmückt hat, da ist sie immer wieder ins Träumen gekommen. Weil jedes Stück eine eigene Geschichte erzählt hat und sie so manches Teil als Kind selbst gebastelt hat. Und so hat es lange gedauert, bis der Baum fertig geschmückt war, aber er war zauberhaft geworden und die Elsbeth hat gestrahlt vor Weihnachtsglück und Vorfreude, wie schon seit ihrer Kindheit nicht mehr. Morgen war Heiligabend, alles war vorbereitet, nur der Ludwig war noch nicht eingeladen. Zwischen den Gefühlen von Vorfreude, Neugierde und der Angst, dass der Ludwig nicht kommen wollte oder könnte, konnte die Elsbeth die halbe Nacht nicht schlafen. Und am nächsten Tag ist sie erst um die Mittagszeit wachgeworden und dann gleich rüber zum Ludwig. Und der konnte sein Glück nicht fassen und hat sofort zugesagt. Aber kaum, dass er „ja“ gesagt hatte, da hat sich seine Miene verdunkelt und es war ihm unwohl geworden und er hat rumgedruckst. „Weil“, so hat er gemeint, „ich hab dir ja nix zum Schenken!“. Aber die Elsbeth hat das gleich abgewehrt, sie hätte ja auch kein Geschenk, aber ganz sicher für beide eine Überraschung. Und außerdem wären sie ja keine Kinder mehr. Zum Glück hat sich der Ludwig drauf eingelassen und um Fünfe hat er an ihrer Haustür geschellt. Frisch gebadet und gekämmt stand er da und hat die Elsbeth angelächelt. Und ihr ist das Herz vor Freude im Busen gehüpft.

Bescherung war immer um sechs Uhr und bis dahin hat den Beiden Gans, Knödel und Rotkohl vorzüglich gemundet. Ludwig war äußerst charmant und voller Lob und Elsbeth war überaus glücklich. Der Ludwig hat beim Abräumen geholfen und um Punkt sechs waren die Kerzen am Christbaum angesteckt. Und als die Beiden „Leise rieselt der Schnee“ vorm Baum gesungen haben, da hat der Ludwig die Hand von der Elsbeth in seine Hand genommen und sie ganz fest gehalten. Und genau in dem Moment hat es draußen aufgehört zu schneien und die letzten Wolken sind vom Himmel verschwundenen. Und die Scheinwerferkegel von einem Auto haben das Abbild vom Fensterkreuz langsam über die Decke wandern lassen. „Erwartest du noch jemanden?“, hat der Ludwig gefragt und die Elsbeth hat geantwortet: „Das ist die Überraschung!“. Und da hat es auch schon an der Haustür geschellt und die beiden sind runter und haben die Tür aufgemacht. Draußen stand das nette Paar aus Bozen und die Frau hatte einen Säugling im Arm. Sie strahlte und sagte: „Wir bringen ihr Kindle!“ und „Dürfen wir reinkommen, es ist bitterkalt, hier heraussen!“

Als die Elsbeth das Knäblein im ihrer weihnachtlichen Stube im Arm gehalten hat, da wollte sie es nie mehr hergeben. Wie er sie angelächelt hat und wie klein und zart seine Fingerchen waren! Und noch bevor Elsbeth oder Ludwig aus ihrer Verblüffung heraus waren und etwas sagen konnten, da war das Paar aus Bozen auch schon verschwunden. „Wir müssen weiter, der Pass ist verschneit und je früher wir uns auf den Weg machen, desto besser!“ Und mit diesen Worten waren sie auch schon hinaus. Auf dem Tisch stand eine große Sporttasche, die der Mann dort zurück gelassen hatte und der Ludwig zog den Reißverschluss auf. Drin war Babyzeug, Flaschen, Nuckel und Windeln. Da hat der Ludwig gesagt „Ich mache dem Kind erstmal eine Flasche und dann erklärst du mir, was das hier alles zu bedeuten hat!“ Und mit den Worten ist er in die Küche und hat mit den Töpfen gescheppert und laut vorgelesen, was auf der Babymilchpackung stand. Zehn Minuten später war er mit der Flasche zurück, die er an den Unterarm gedrückt gehalten hat, um die Temperatur zu prüfen. „Steht so auf der Packung“, hat er entschuldigend gesagt und der Elsbeth die Babyflasche mit der handwarmen Milch gegeben. Als der Knabe offensichtlich zufrieden an der Flasche genuckelt hat, hat sich die Elsbeth gefasst dem Ludwig zugewandt. „Ludwig“, hat sie gesagt, „ich verstehe das alles nicht.“ Und dann erzählte sie ihm alles, von dem Preisrätsel wo es ein Kindle zu gewinnen gab und dass sie gewonnen hatte. „Aber da muss es doch auch was Schriftliches geben“, meinte der Ludwig und kramte in der großen Babytasche. Triumphierend zog er eine Mappe daraus hervor und wedelte damit in der Luft. „Na also, da haben wir es ja. Und schau mal, was da drauf steht: Adoptionsunterlagen!“ Eilig überflog er die Seiten mit ernstem Blick und wandte sich dann an Elsbeth: „Das war kein Preisrätsel, Elsbeth. Und es gab auch keinen Kindle als Preis. Du hast dich für eine Adoption beworben. Und ein Kind bekommen!“ Völlig verdattert hat die Elsbeth da geantwortet: „Aber ich kann kein Kind bekommen haben, ich bin doch noch Jungfrau!“ Der Ludwig schüttelte den Kopf. „Du scheinst nicht zu verstehen Elsbeth. Du hast ein Kind adoptiert. Das steht auch hier. Seine Eltern sind bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Das Baby konnten sie aber retten. Und du bist jetzt seine neue Mutter!“

Kindle Stern von Moos

Das Baby war unterdessen satt und zufrieden in ihren Armen eingeschlafen. Wie süß es war und wie friedlich es schlief! Der Elsbeth ging das Herz auf. „Du kannst es unmöglich behalten!“ sagte da der Ludwig. Hier steht, dass du angegeben hast, du würdest mit mir zusammen leben. Aber das stimmt doch nicht. Wenn die das rauskriegen, dann nehmen sie dir das Kind sowieso wieder ab. Der Elsbeth kamen die Tränen und der Ludwig kam herüber um sie zu trösten. Aber statt sie in den Arm zu nehmen, kniete er sich vor sie hin und nahm ihre Hand in seine. „Es sei denn“, sagte er dann, „es sei denn, du willst mich heiraten.“ Und dann, noch einmal, mit festem Blick und entschlossener Stimme: „Elsbeth, willst du mich heiraten?“ Die Elsbeth sah das schlafende Baby an und dann den Ludwig, der da voller Hoffnung vor ihr kniete und ihr die Frage aller Fragen gestellt hatte. „Ja, Ludwig“, sagte sie dann, „ja, ich will!“

Und in diesem Moment erschien am Firmament jener eiskalten, stillen Weihnachtsnacht jener Glücksstern, von dem man sagt, dass ihm die Magier aus den fernsten und entlegensten Ländern der Welt folgen würden. Mächtig und prachtvoll funkelte er als hellster Stern unter den Millionen anderen Sternen, die den Nachthimmel erleuchteten. Und es war genau dieses helle und glückliche Funkeln, das in den Augen Ludwigs lag, als er seine Elsbeth zärtlich küsste. Dann küsste er das Baby sanft auf die Stirn und sprach: „Wir müssen uns einen Namen für den Jungen einfallen lassen. Und niemand soll je erfahren, dass er adoptiert wurde!“ Die Elsbeth nickte zustimmend. Vielen Frauen merkt man die Schwangerschaft nicht an, das wusste sie. „Ludwig, was sollen wir dann bloß den Leuten sagen? Ich bin doch noch Jungfrau!“ „Und ich kann keine Kinder zeugen“, fügte der Ludwig hinzu. Und dann: „Weißt du was, wir sagen einfach, es war ein Wunder! Und irgendwie stimmt das ja auch.“

Es war Mitternacht geworden und die Glocken der Dorfkirche riefen zur Christmette. Oben am Kreuzbergpass erschienen drei fremdartig aussehende Männer in dicker Fellkleidung, die sich mit Fackeln den Weg erleuchteten. Einer von ihnen blieb stehen und deutete auf den hellen Stern am Nachthimmel und dann auf das Dorf. Die Männer beschleunigten ihren Schritt.

© 2014  Xephyr

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Eine der wichtigsten Grundlagen der Energiewende war das Verbot Atommüll zu recyclen. Die Entsorgung bestrahlter Brennelemente wurde auf die direkte Endlagerung beschränkt, das heißt, die Abgabe bestrahlter Brennelemente aus Atomkraftwerken an Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) wurde ab dem 1. Juli 2005 endgültig in Deutschland verboten (§ 7.1 Atomgesetz).

Wirklich erstaunlich. Da tritt eine Partei an, um sich für die Umwelt einzusetzen und dabei spielt Recycling ja bekanntlich eine sehr große Rolle. Wenn ein Brennelement den Reaktor verlässt, besteht es immer noch zu rund 95% aus Uran. Ein klassisches Recycling vermindert den Anteil auf eine Restmenge von weniger als 5%. Trennt man nicht nur das Plutonium, sondern auch die Aktinoiden ab, verbleiben nur Spaltprodukte, die nach etwa 500 Jahren vollständig verschwunden sind. Warum sollte man das verbieten wollen?

Kerntechnik bedeutet eine Gefahr für Jahrmillionen. Riesige Mengen Atommüll müssen für diese unabsehbar lange Zeit in unserer Erde unter Aufsicht gelagert werden.

Ja. Aber nur, wenn man das Recyclen verbietet. Und die Endlagerung gesetzlich vorschreibt. Und genau das ist in Deutschland geschehen. Eingefädelt und vorangetrieben von Politikern, die Umweltschutz behauptet und Deindustrialisierung betrieben haben. Denn es gibt keinen anderen Grund als Ideologie das Recyclen von Atommüll zu verbieten. Eine Wiederaufbereitung ist ein rein chemisches Verfahren, bei dem weder Radioaktivität erzeugt noch vernichtet wird. Die Radioaktivität ist am Ende des Prozesses gleich groß, wie am Anfang (abgesehen von einigen Zerfällen während des Prozesses). Wiederaufbereitung dient nur zur Trennung in verschiedene Fraktionen. Die größte Fraktion stellt mit 95% dabei das Uran dar. Recycltes Uran entspricht in seiner Zusammensetzung dem Natururan. Ein Metall, das man ohne besondere Gefahr in der Hand halten kann:

Lediglich die Stoffe, die sich durch das (wiederholte) Einfangen eines Neutrons ohne Spaltung gebildet haben, ergeben wegen ihrer langen Halbwertzeit ein Problem Dies fängt beim Plutonium an und setzt sich über die Gruppe der „Minoren Aktinoiden“ fort. Doch dafür wurde eine Lösung entwickelt. In Deutschland, von deutschen Wissenschaftlern und deutschen Ingenieuren. Zur Anwendung kommt diese Technologie in unserem Land aber nicht, denn das ist verboten.

Ist Atommüll überhaupt Müll?

Atommüll enthält jede Menge wertvoller Rohstoffe. Es gibt bereits in Indien ein kommerzielles Projekt, das sich mit der Extraktion von Rhodium beschäftigt. Man ist dort der Meinung, daß allein der Gehalt an Rhodium und Palladium (beides wichtige Ausgangsmaterialien für Katalysatoren) im Atommüll der Welt zu heutigen Preisen bereits mehrere hundert Milliarden Dollar beträgt. Indien ist mit diesen Gedanken nicht allein. Wir erinnern uns, die Aktivität nimmt mit der Zeit exponentiell ab. Der erste Atommüll aus den frühen Atombombenprogrammen ist schon über 60 Jahre alt, d. h. bereits stark abgeklungen. Je geringer die Aktivität, desto einfacher und damit billiger ist er technisch handhabbar. Deshalb gibt es in keinem Land der Welt — mit der einzigen Ausnahme Deutschland — mehr das Konzept einer Endlagerung. Überall geht man heute von einer zwar langfristigen aber stets rückholbaren Lagerung aus. Ob dies oberirdisch (USA), in Kammern im Granitfels (Finnland) oder unterirdisch in Ton (Frankreich, Schweiz) erfolgt, ist eher Geschmackssache.  Die Lagerkosten von vollständig recycltem Atommüll sind wegen der geringen Mengen ohnehin zu vernachlässigen.

Transmutation: Durchbruch in Belgien

Bei der Transmutation wird hochradioaktiver Abfall mit schnellen Neutronen beschossen. Dabei werden hochradioaktive Abfallstoffe, die eigentlich mindestens 10.000 Jahre sicher von der Umwelt isoliert werden müssten in harmlosere Elemente umgewandelt. Bereits nach wenigen Hundert Jahren wäre die Strahlung so weit abgeklungen, daß der Abfall als weitgehend ungefährlich gelten könnte.

Aus einer Tonne Atombrennstoff werden, nach etwa vier Jahren in einem Druck- oder Siedewasserreaktor, im Schnitt 935 Kilogramm Uran – 99 Prozent davon Uran 238 – und rund zwölf Kilogramm Plutonium. Neben dem langlebigen und hochradioaktiven Plutonium enthält der abgebrannte Kernbrennstoff auch die besonders problematischen Stoffe Neptunium, Americium und Curium sowie 50 Kilogramm Spaltprodukte – von denen 3,5 Kilogramm extrem langlebig sind. Nahezu alle dieser problematischen Stoffe lassen sich aber mit den schnellen Neutronen spalten.

Die vierte Generation

Das Generation IV International Forum (GIF) ist ein Forschungsverbund, der sich der gemeinsamen Erforschung und Entwicklung zukünftiger Kernkraftwerke verschrieben hat. Diese Kraftwerke der sogenannten IV. Generation sollen ab dem Jahr 2030 einsatzfähig sein. Zu den Mitgliedern gehören Argentinien, Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Japan, Kanada, Südafrika, Südkorea, USA, Schweiz, Europäische Union, Russland und die Volksrepublik China.

Und das zeichnet die neuen Reaktoren aus:

  • Atommüll strahlt nur noch wenige Jahrhunderte.
  • 100-300 mal mehr Energie aus derselben Menge Brennstoff.
  • Atommüll als Brennstoff
  • Überlegene Sicherheitskonzepte.
  • Null CO2 Emission.

 

Realität. Kein Science-Fiction.

In Russland und China wurden die ersten Generation IV-Reaktoren bereits in Betrieb genommen. In Europa entstehen zur Zeit der Astrid Reaktor (SFR) in Frankreich, der Allegro Reaktor (GFR) in Osteuropa und der Myrrha Reaktor in Belgien. In England wird der Bau eines Prism Reaktors (Hitachi) ernsthaft diskutiert. (Hitachi hat nach dem Verbot der Kernenergie in Deutschland das Know-How für diesen Reaktortyp von deutschen Firmen aufgekauft)

TerraPower. Microsoft baut einen Generation-IV Reaktor.

Bill Gates ist mit TerraPower in den Generation-IV-Markt eingestiegen. Superrechner sollen derweil mit speziellen Simulationsprogrammen die Technolgien schneller verfügbar und realisierbar machen. Ein erster Reaktor soll in China entstehen.

Und was meinen Die Grünen dazu?

Offensichtlich ist man dort ein wenig überfordert und hält das Ganze für abgefeimte Bühnenmagie und Illusion irgendeiner Lobby. Zumindest was dieses offensichtlich eilig zusammengezimmerte PDF anzugehen scheint, darf man sich von dieser Seite wohl leider auch in Zukunft keine Vernunft erwarten:

transmutation-plakat

Fakt ist: Die Herstellung von Solarzellen ist nach wie vor mit extrem umweltschädlichen Abfallstoffen verbunden, ihre Effizienz in unseren Breitengraden völlig indiskutabel. Windräder stehen still, weil ihre Wartung zu teuer ist, Windparks werden zunehmend zu einem unkalkulierbaren Sicherheitsrisiko, die Förderung ist gestrichen, Hersteller pleite und es wird bereits über die Haftungsfrage diskutiert. Fakt ist weiterhin, daß es für den effizienten Betrieb von Elektroautos nicht genügend Lithium auf dieser Welt gibt. Fakt ist ausserdem, daß unser Land Strom aus Kohle gewinnt und damit in unerträglichem (und verbotenen) Maß die Umwelt verpestet. Fakt ist ausserdem, daß die über 100 staatlich geförderten Alternativ-Energie-Firmen in USA mittlerweile als Betrüger entlarvt und vor Gericht gestellt wurden.

Möge der wahre Illusionist, Bühnenmagier und Betrüger jetzt bitte aufstehen und sich zu erkennen geben!

© Xephyr

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Ein neuartiges Elektroauto geht in Serie. Der ein wenig an ein futuristisches Dixie-Klo erinnernde AirPod. 2,13 Meter lang und nur 275 Kilogramm leicht, der Antrieb: Ein 300 Bar-Kompressor! Denn das Fahrzeug wird mit Druckluft betrieben. Jetzt bräuchte man nur noch ein globales flächendeckendes Netz für Druckluftbetankung, sowie Betankungssysteme, die 800 Bar Luftdruck aushalten können. Um eine ausreichende Menge Antriebsenergie mitzuführen, sind auch große (und damit schwere) Drucklufttanks notwendig. Und die Energiedichte des Antriebssystems ist bereits im Vergleich mit einfachen Bleiakkumulatoren ungünstig.

Ausserdem ist Druckluft einer der teuersten Energieträger. Die Erzeugung ist energetisch mit sehr großen Verlusten behaftet. Ein effizienter Druckluftmotor benötigt zudem eine aufwendige mehrstufige Entspannung mit Zwischenerwärmung. Durch die Entspannung der Druckluft kommt es nämlich zu einer Abkühlung des Motors. Es muß dann Wärme aus der Umgebung zugeführt werden. Der Airpod ist wohl deshalb auch mit einem serienmässigen Kühlschrank ausgerüstet.

© Xephyr

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